Daten zum Tourismus![]()

Bilsteinhöhle
und Dechenhöhle sind in vielen Punkten vergleichbar; beide sind in etwa
gleich lang, liegen beide im ´Mittelfeld´ der sauerländer Schauhöhlen
(deutlich unterhalb des Besucherzahlenniveaus der Attahöhle). Nach einem
langen und steilen Absturz der Besucherzahlen seit den 60er Jahren konnte die
Dechenhöhle, wie auch die Bilsteinhöhle, in den 80er Jahren einen
leichten Anstieg verzeichnen. Seit Beginn der 90er Jahre geht es an beiden Höhlen
wieder bergab. Jedoch fällt auf, daß das Tempo des Abstieges unterschiedlich
ist. Die Zahlen der Dechenhöhle machen dabei durchaus den Eindruck der
Konsolidierung, während es an der Bilsteinhöhle zunehmend steiler
bergab geht.
In dieser Situation kann eine Analyse des Höhlentourismus vielleicht bei
der Zukunftsplanung helfen. 1993 legte Gerrit Ulmke eine Staatsarbeit im Fach
Geographie an der Universität Münster vor, Titel: Die Schauhöhlen
des Sauerlandes. Ein Beitrag zur Fremdenverkehrsgeographie. Diese Arbeit
erschien 1994 als 1. Beiheft zur Zeitschrift Antiberg, hg. von der ArGe
Höhle und Karst Sauerland, Hemer und dem Arbeitskreis Kluterthöhle,
Ennepetal e.V.
Eine der Grundlagen dieser Arbeit war eine statistische Erhebung mittels Fragebögen
zwischen dem 30. Mai und dem 2. Juni 1993 an 7 Schauhöhlen im Sauerland,
dabei auch die Bilsteinhöhle. Damit liegt eine seriöse wenn
auch auf recht schmaler Datenbasis erhobene Grundlage für touristische
Planungen vor.
Die Befragungen an der Bilsteinhöhle decken 19,6% des Gesamtbesucheraufkommen
an diesen Tagen ab.


Die stärkste Besuchergruppe im Untersuchungszeitraum stellen also die Familien dar. Das muß auch zukünftiges Planen berücksichtigen.
Leitfrage: Ist die Höhle familienfreundlich? Was macht ein ´familienfreundliches Ausflugsziel´ aus? Was müßte in diesem Bereich getan werden?
Bei dieser Untersuchung fiel eine Gruppe vollständig aus: Schulklassen. Denn im Untersuchungszeitraum finden keine Klassenfahrten statt.


Was machen Besucherinnen und Besucher der Bilsteinhöhle im Umfeld ihres Höhlenbesuches? Auch mit dieser Frage hat sich die Untersuchung Ulmkes beschäftigt.
Hier zeigt sich auch ein hauptsächlich topographisch bedingter Unterschied zwischen der Dechenhöhle und der Bilsteinhöhle. Beiden gemeinsam ist die stärkste Gruppe, die Gruppe derer, die angegeben haben, weitere Sehenswürdigkeiten zu besichtigen (genauere Aufschlüsselung unten).
Leitfrage: Wie kann die Bilsteinhöhle eingebunden werden in ein Netzwerk ´anderer Aktivitäten´ und Attraktionen?
Die zweitstärkste Gruppe bilden an der Bilsteinhöhle die Wanderer, eine Gruppe, die an der Dechenhöhle deutlich kleiner ist. Hier ist die Gruppe derer, die Freunde, Bekannte, Verwandte besuchen die zweitstärkste. Das kann nicht verwundern, die Dechenhöhle liegt mitten im Ballungsgebiet, die Bilsteinhöhle mitten im Waldgebiet.
Leitfrage: Wie kann die Zielgruppe ´Wanderer´ angesprochen werden? Was kann getan werden, um die Bilsteinhöhle als Ausgangs- und/oder Zielpunkt für Wanderungen attraktiv zu machen?
Auf diesem Hintergrund ist auch der Unterschied in der Angabe Gaststättenbesuch einzuordnen; die stadtnahe Dechenhöhle bietet im Nahbereich gastronomische Alternativen, nicht aber die Bilsteinhöhle. Es liegt auf der Hand, daß die jahrelange Schließung der Höhlengastronomie hier deutliche Spuren hinterläßt. Dennoch muß betont werden: Der Gaststättenbesuch gehörte der Zahl nach zu den ganz schwach genutzten weiteren Angeboten im Zielraum Bilsteinhöhle. Bei der Interpretation der rapide abstürzenden Besucherzahlen reicht der Verweis auf die Tatsache der Schließung nicht aus.
Interessant auch, daß relativ viele Besucher keine weiteren Aktivitäten planen. Das deutet auf die hohe Attraktivität des Zieles Höhle hin und sollte eigentlich das Vertrauen in das Ziel Bilsteinhöhle an sich stärken, das keiner künstlichen Aufwertung bedarf.


Die hier aufscheinenden
Zahlen sind mit Vorsicht zu behandeln, da die Datenbasis hier besonders dünn
ist. Eine einzelne Reisegruppe sorgt dadurch schnell für sehr hohen Werte
für ein einzelnes Ziel, wie das Beispiel einer Gruppe zeigt, die zur Abtei
Königsmünster in Meschede weiterreisen wollte. Dennoch wird deutlich,
daß die Gruppe der Sauerland-Urlauber hoch ist. Eine gewisse Abhängigkeit
der Besucherzahlen von der allgemeinen Tourismus-Tendenz im Sauerland ist damit
erwiesen. Diese überregionalen Zahlen sind kaum zu beeinflussen, da die
Stadt Warstein insgesamt im touristischen Bereich wenig bedeutend ist.
Auf den ersten Blick ist die sehr niedrige Zahl für einen Wildparkbesuch
kaum vorstellbar. Die Praxis-Erfahrung hat jedoch gezeigt, daß eine hohe
Zahl von Höhlenbesuchern nicht registriert, mitten in einem Wildpark zu
stehen. Gerade im Sommer (belaubte Bäume) ist der Wildpark für die
Besucherinnen und Besucher der Bilsteinhöhlen leicht zu übersehen.
Hauptgrund dafür ist die auffallend schlechte Besucherlenkung und Beschilderung
im Bilsteintal. Was die Besucherlenkung angeht, lassen die Pläne der Brauerei
für das Waldhotel eine weitere Verschlechterung erwarten.
Es sollte zumindest erwähnt werden, daß keine der erfaßten
Personen (immerhin über 300) auf die Warsteiner Brauerei als weiteres
anzulaufendes Ziel verweist. Eine ´touristische Allianz´ beider
Ziele wird sich kaum sinnvoll gestalten lassen. Es liegt eine gewisse Inkompatibilität
beider tagestouristischer Ziele vor.
Als denkbare Perspektiven ergeben sich:

Es wird deutlich, daß Höhlen aus Interesse besucht werden. Das deckt sich mit der eigenen Erfahrung als Höhlenführer (nicht jedoch mit den Aussagen der verwaltungsmäßig Zuständigen!). Viele Besucherinnen und Besucher sind sehr interessiert an der Höhle, stellen detaillierte Fragen zu teilweise sehr speziellen Themen der Speläologie. Kompetente Höhlenführer sind daher unverzichtbar.
Leitfrage: Wie kann die Kompetenz der Höhlenführer (gerade auch der Saison-Aushilfen) sichergestellt werden?
Besonders für die Bilsteinhöhle zeigt sich ein hoher Wert für ´bekannte/empfohlene touristische Attraktion´. Es ist nachvollziehbar, daß negative Entwicklungen und Erfahrungen der Besucherinnen und Besucher an der Höhle und ihrem Umfeld durchschlagende Auswirkungen auf die Besucherzahlen haben werden.
Leitfrage: Wie kann verhindert werden, daß der Höhlenbesuch negative Eindrücke bei den Besucherinnen und Besuchern hinterläßt?
Wichtiger Faktor weiterhin: Besuch der Höhle wegen der Kinder. Hier wäre eine genauere Analyse der Motivation hilfreich. Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, daß Höhlenbesuche mit der Familie häufig aus Besuchen mit der Schulklasse resultieren. Dieses Potential ist sicher noch deutlich ausweitbar.
Leitfrage: Wie kann die Attraktivität der Höhle und ihres Umfeldes für Kinder (und Familien) gesteigert werden, und im Vorfeld wie kann die Attraktivität der Höhle als Ziel für Klassenfahrten gesteigert werden?
Im Vergleich zu anderen Höhlen ist der niedrige Wert für ´Regenwetter´ auffällig. Der Grund dafür dürfte in der Topographie und der Gestaltung des Höhlenumfeldes liegen: Ein vergleichsweise weiter Weg vom Parkplatz zur Kasse und zum Eingang, kaum Schutz vor Witterung beim Warten auf die Höhlenführung, die geringe ´Allwetter-Tauglichkeit´ der weiteren Angebote im Umfeld der Höhle (Wildpark, Forstlehrpfade, Spielplatz).
Leitfrage: Wie kann die Bilsteinhöhle zur ´Allwetter-Attraktion´ werden?
Stefan Enste, Februar 2001
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