1. Einleitung
Die Bilsteinhöhlen
bei Warstein und ihre Umgebung ziehen noch immer zahlreiche Besucher an. Die
Maßnahmen der letzten Jahre neue Forstlehrpfade, neue Kleintiergehege,
der geplante Geo-Lehrpfad dienen einer Steigerung der Attraktivität
dieses Erholungsraumes. Leider sind die Besucherzahlen der Bilsteinhöhlen
seit Jahren rückläufig. Die Beispiele anderer Höhlen im Sauerland
zeigen: Einem Besucherrückgang kann nur durch eine Verbesserung des Angebotes
begegnet werden (Beispiele: Dechenhöhle und Heinrichshöhle).
Für eine solche Verbesserung sollten die für das Jahr 2001 anstehenden
500.000,- DM aus dem Verkaufserlös des Waldhotels eingesetzt werden. Es
erscheint uns wenig sinnvoll, das Geld für verschiedene unzusammenhängende
Maßnahmen zu verwenden.
2. Vorschlag
Statt dessen schlagen
wir vor, mit den zur Verfügung stehenden 500.000,- DM die ehemalige Jugendherberge
(ursprünglich die Gasfabrik zur Herstellung von Leuchtgas für die
Höhlenbeleuchtung) zu renovieren und in ein Besucherzentrum umzubauen.
Fraglos handelt es sich dabei um einen Vorschlag, der der Maßgabe - strukturverbessernde
Maßnahmen - voll entspricht. Es kann nur im Interesse der Brauerei,
als Besitzerin der Gastronomie, sein, auch in Zukunft eine hohe Besucherzahl
für die Attraktion ´Bilsteintal´ zu interessieren.
Konkret könnten im Erdgeschoß der ehemaligen Gasfabrik/Jugendherberge
die Höhlenkasse (mit Möglichkeit des Verkaufs der höhlenbezogenen
Artikel Ansichtskarten, Höhlenführer,...), ein ansprechender
(offener Kamin!) Warte- und Aufenthaltsraum für die Besucher mit Informationstafeln
(der außerhalb der Öffnungszeiten auch als Vortrags- und Veranstaltungsraum
genutzt werden kann), der Aufenthaltsraumfür die Höhlenführer
und endlich eine normalen Standards genügende Toilettenanlage untergebracht
werden.
In der ersten und zweiten Etage wäre Raum für Informations- und Ausstellungsräume.
Hier sind verschiedene Konstellationen denkbar. Präsentiert werden könnte
die allgemeine Geologie des Warsteiner Raumes (in Anlehnung an die bekannte
und vor Jahren einhellig vom Rat begrüßte Konzeption des Geologischen
Museums von D. Korn), daneben speziell die Höhlenkunde. Unverzichtbar wäre
die Ausstellung der paläontologischen und archäologischenFunde aus
den Bilsteinhöhlen. Darüber hinaus ist auch die Darstellung des Themenkomplexes
Wald und Wild (Wildpark, Forstlehrpfade) denkbar.
3. Nötige Baumaßnahmen
Größere
bauliche Eingriffe in den Baubestand sind nicht nötig. Dringend geboten
ist die vollständige Erneuerung des Daches, sowie die Beseitigung von Bauschäden,
die durch eindringendes Wasser verursacht wurden. Ansonsten kommen die bestehenden
Räumlichkeiten der geplanten Nutzung sehr weit entgegen. Im Erdgeschoß
müßte ein günstiger Ort für die Kasse gefunden werden.
Die Umwandlung der bestehenden kombinierten WC- und Dusch-Anlage in eine Damen-
und Herren-Toilette erfordert einen Wanddurchbruch. Weiterhin sollte der flache
Küchenanbau an der Nordseite des Gebäudes beseitigt werden, der den
imposanten Gesamteindruck des Gebäudes sehr stört.
In den Etagen I und II sind bauliche Veränderungen in geringem Umfang nötig.
Die vorhandenen einzelnen Räume der ersten Etage sind genügend groß,
jedoch müßten einige jugendherbergstypische Sanitär-Einbauten
entfernt werden. In der zweite Etage sind irgendwann einmal die großen
Räume in kleinere unterteilt worden. Dabei sind größtenteils
nicht-massive Wände eingezogen worden. Die Beseitigung der Wände dürfte
keine Probleme bereiten.
Der bauliche Zustand der dritten Etage ist problematisch. Das hängt mit
dem schlechten Zustand des Daches zusammen, das an verschiedenen Stellen immer
wieder Wasser durchgelassen hat. An einer vollständigen Erneuerung des
Daches und einer Beseitigung der entstandenen Wasserschäden führt
kein Weg vorbei. Dadurch wird jedoch in der dritten Etage ein großer Raum
gewonnen, der beträchtliche Raum-Reserven bietet, eventuell als Örtlichkeit
für wechselnde Sonderausstellungen denkbar wäre. Darüber hinaus
böte sich hier ein idealer Ort für eventuelle museumspädagogische
Projekte.
4. Außenbereich / Besucherlenkung
Im Außenbereich
wären einige kleinere wegebauliche Maßnahmen erforderlich. Grundsätzlich
erscheint es sinnvoll, den Besucherfluß anders zu leiten. So sollte der
Hauptzugang über den parallel zum Bach verlaufenden Weg erfolgen, am Sika-
und Damwildgehege entlang. Von diesem Weg aus müßte ein neuer Aufstieg
zur ehem. Gasfabrik/Jugendherberge angelegt werden (Länge: ca. 15
20 m). Weiterhin müßte der bestehende aber zugewachsene Weg von der
ehem. Jugendherberge/Gasfabrik zum Höhleneingang freigelegt und befestigt
werden (Länge: ca. 50 m). Vom Höhlenausgang könnte der Besucher
nun den Rückweg zum Parkplatz antreten (über den auch heute üblichen
Weg) oder über eine zu schaffende Treppe (Länge: ca. 10 m) wieder
in den Bereich des Besucherzentrums zurückkehren.
Diese Besucherleitung hätte den Vorteil, daß von allen Höhlenbesuchern
auch der Wildpark bemerkt würde (was heute nicht der Fall ist). Die Höhlenbesucher
würden bei gleicher (oder sogar eher kürzerer) Laufstrecke
wie bisher einen umfassenderen Gesamteindruck des Bilsteintals und seiner
Attraktionen gewinnen.
5. Argumente für ein Besucherzentrum
6. Fachliche Unterstützung
Die planerischen
und konzeptionellen Aufgaben würden von einem Förderkreis/Förderverein/Trägerverein
übernommen. Interesse an diesem Kreis wurde bereits von verschiedenen Seiten
bekundet.
Eine erste kurze Rundfrage bei verschiedenen Fachleuten zeigte weiterhin, daß
großes Interesse an einer fachlichen Begleitung eines Besucherzentrums
im Bilsteintal besteht. Die folgenden Personen erklärten sich sofort bereit,
die Planungen und Konzeptionen des Besucherzentrums mit Rat und soweit
es ihnen möglich ist auch mit Tat zu unterstützen:
Geologie:
Paläontologie:
Ur- und Frühgeschichte:
Biologie, Landschaft, Ökologie, Wald, Wild:
7. Schluß
Die einmalige Chance
zur Verwirklichung eines Besucherzentrums in der hier vorgestellten Art sollte
nicht vertan werden. Die breite Zustimmung, die uns bei persönlichen Gesprächen,
bei Kontakten mit den Fachberatern, aber auch im politischen Raum deutlich gemacht
wurde, war bisher sehr ermutigend. Wir hoffen, daß diese ersten Vorüberlegungen
zu einer intensiven Diskussion aller Beteiligten, sowie aller Interessierten
führen werden. Wir sind überzeugt, daß am Ende einer solchen
Diskussion eine klare Entscheidung für die Einrichtung eines Besucherzentrums
in der ehemaligen Gasfabrik/Jugendherberge stehen wird.
Anhang: Themen der Ausstellungsräume
Die Ausstellungsräume
des Besucherzentrums sollen erweiterte und vertiefende Informationen rund um
den Besuch der Bilsteinhöhlen und des Bilsteintals bieten.
Ein Ziel ist außerdem, die Besucher auf eine Landschaft neugierig zu machen,
sie zu einem zweiten Blick auf die Landschaft rund um Warstein anzuregen. Aus
diesem Grund wird besonders auf die Umgebung Warsteins verwiesen, auf geologisch,
mineralogisch, archäologisch oder historisch interessante Orte. Dadurch
soll versucht werden, Besuchern auch nach dem Höhlenbesuch lohnende Ziele
im Raum Warstein aufzuzeigen. Unterstützt werden müßte dieser
Ansatz durch eine Einbeziehung des geplanten geologischen Lehrpfades in der
direkten Umgebung der Bilsteinhöhle. Weiterhin könnten einfache, somit
preiswerte Exkursionsführer erstellt und angeboten werden, die den Besuch
interessanter Örtlichkeiten erleichtern würden.
Im ersten Stock der ehem. Gasfabrik/Jugendherberge stehen drei größere Räume zur Verfügung:
Raum 1: Allgemeine
Einführung in die Geologie
Das heutige Bild der Landschaft wird als das Produkt langer erdgeschichtlicher
Vorgänge vorgestellt. So könnte ein idealtypisches Profil aus Original-Gestein
zum Blickfang werden, daneben die Darstellung der Erdegeschichte (Meer-Land-Verteilung,
Lebensbilder, Leitfossilien).
Raum 2: ´Wer
sucht, der findet´ Mineralien und Fossilien
Thematischer Schwerpunkt dieses Raumes sind die verschiedenen Fundstellen der
sog. ´Suttroper Diamanten´ im Raum Warstein. Daneben können
hier interessante Stücke der bestehenden Mineralien-Sammlungen präsentiert
werden. Auch Fossilien aus der Umgebung Warsteins sollten hier vorgestellt werden,
besonders Cymaclymenia warsteinensis, das einzige wenn auch lange ausgestorbene
Tier, das den Ortsnamen Warstein im Gattungsnamen trägt. Hier sollten
nicht einfach repräsentative Stücke präsentiert werden, statt
dessen sollten diese als Ansporn zum eigenen Suchen und Sammeln dienen.
Raum 3: Steinindustrie
Raum 2 hatte die ästhetische Seite betont, Raum 3 beleuchtet nun die wirtschaftliche
Nutzung der Gesteine im Raum Warstein. Die historische Entwicklung der Steinindustrie,
ihre Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Landschaftsökologie (nicht
nur negativ!) , die Technik des Steinabbaus, sowie die Verwendung und Weiterverarbeitung
des Rohstoffes Kalkstein werden hier präsentiert.
Daneben gibt es in dieser Etage noch zwei kleinere Räume. Von denen könnte der erste direkt vom Treppenhaus abgehend als Garderobe genutzt werden. Der zweite, zwischen Raum 1 und Raum 2, ist sehr schmal.
In der zweiten Etage stehen vier größere Räume zur Verfügung. Auch hier gibt es wieder einen kleineren, direkt vom Treppenhaus abgehenden Raum. Dieser könnte als Büro und Magazinraum genutzt werden.
Raum 4: Bergbau
Die Steinindustrie ist noch heute aktiv im Raum Warstein, anders der Bergbau
auf Eisen, andere Metallerze und Dachschiefer, er gehört seit über
50 Jahre nur noch zur Industriegeschichte Warsteins. Die geschichtlichen Wurzeln
des Bergbaus in der vorrömischen Eisenzeit (ca. 500 v. Chr.), die Eisenindustrie
in Warstein in der frühen Neuzeit, im 19. Jh., die Wirtschaftsweise der
meist kleinen und kleinsten Bergbau-Betriebe, die größeren Gruben
(z. B. David, Suttbruch, Hirschfeld), Spuren des Bergbaus in der Landschaft
gehören zum Themenkreis dieses Ausstellungsraumes. Hier könnten beispielsweise
verschiedene Stollenquerschnitte einen Eindruck von der beschwerlichen Arbeit
´vor Ort´ vermitteln.
Raum 5: Hydrologie
Der Kalkstein als Grundwasserleiter und die Auswirkungen des Wassers auf den
Kalkstein werden hier vorgestellt, gleichzeitig auf die Höhlenentstehung
hingewiesen. Die durch Färbeversuche festgestellten unterirdischen Grundwasserströme
könnten durch ein Modell verdeutlicht werden. Hier wäre der Ort, die
Entstehung der Höhlensysteme zu erklären, sowie die Tropfsteinbildung
allesamt Wechselwirkungen zwischen Kalkstein und Wasser.
Raum 6: Paläontologie
Die (eiszeitliche) Tierwelt in den Höhlen
Die Höhlen der Umgebung Warsteins haben Zeugnisse der Vergangenheit bewahrt.
Zuerst könnte auf die in den Höhlen gefundene (eiszeitliche) Tierwelt
hingewiesen werden, das vollständige Bärenskelett, weiterhin Skelett-
und Gebißreste des Höhlenbären könnten hier einen Eindruck
von der Mächtigkeit des ausgestorbenen Höhlenbewohners vermitteln.
Raum 7: Ur- und
Frühgeschichte Menschen in den Höhlen
In einem weiteren Raum müßten die archäologischen Funde aus
der Bilsteinhöhle (und dem Eppenloch) ausgestellt und in ihren kulturellen
Kontext eingeordnet werden. Funde aus der Altsteinzeit, Glockenbecherzeit, Urnenfelderzeit,
vorrömische Eisenzeit zeigen, daß die Höhlen aus unterschiedlichen
Gründen für Menschen verschiedener Zeiten attraktiv waren.
Hier könnte auf die kontroverse Deutung der Höhlenfunde aus der vorrömischen
Eisenzeit eingegangen werden (Ort kannibalistischer Fruchtbarkeitsriten oder
Ort von Sekundär- und Sonderbestattungen)
Franz Ademmer & Stefan Enste März 2000
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