Sind Bergbauspuren vielleicht
Denkmäler? ![]()
Warstein
hat eine reiche Vergangenheit, was die Eisengewinnung und -verarbeitung angeht.
Diese Vergangenheit ist jedoch fast völlig in Vergessenheit geraten, da
heute kaum noch sichtbare Reste von diesen vergangenen Zeiten künden. Dennoch:
Es gibt Spuren, Reste und Relikte, die daran erinnern, daß der Bergbau
einmal eine wichtige Rolle in Warstein gespielt hat.
In direkter Nähe zur Bilsteinhöhle erstreckt sich das Gelände
der ehemaligen Eisenerzgrube David, die als letzte Grube im Warsteiner
Raum erst 1949 den Betrieb endgültig einstellte.
Die wenigen Reste zu dokumentieren und - wenn möglich - auch zu erhalten,
war das Ziel eines Antrages, den der Gestalter dieser Seiten am 11. Dezember
2000 gestellt hat.
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Warstein-Hirschberg, den 11.
Dezember 2000 Stefan Enste
An Betr.: Antrag auf Erfassung, Dokumentation und Sicherung der Bau- und Bodendenkmäler des historischen Erzbergbaus in Warstein und Umgebung Sehr geehrter Herr Juraschka, sehr geehrte Damen und Herren, im vergangenen
Sommer hat die WAL einen ´informativen Spaziergang´ veranstaltet,
der sich dem Thema Spuren des historischen Bergbaus in Warstein
widmete. Fast 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkundeten Orte,
an denen teilweise bis vor 50 Jahren aktiv Bergbau betrieben wurde, oder
die direkt mit dem Bergbau im Warsteiner Raum zusammenhängen: Die
Grube Hirschfeld unterhalb der Alten Kirche, das Gelände der ehemaligen
Warsteiner Eisenhütte, die Grube Rom im Oberhagen, das ehemalige
Bahngleis zum Erztransport, das Gelände der Gruben David, Siebenstern
und Georg. Angeregt durch die informativen Erläuterungen von Franz
Ademmer und den Erlebnis-Berichten von Norbert Pielsticker, der auf der
Grube David noch ´unter Tage´ gewesen ist, entstand trotz
der Spärlichkeit der Reste ein lebendiges Bild vergangener Industriekultur
in und um Warstein.
Es
ist dabei zu bedenken, daß man sich an vielen Standorten historischer
Industrien der Bedeutung und Geschichte dieser Denkmäler bewußt
wird. Andernorts hat man die Wichtigkeit dieser Kapitel der eigenen Geschichte
für die Identität eines Ortes erkannt, weiß sie teilweise
auch geschickt im Bereich Tourismus und Marketing zu nutzen. Wenngleich
so etwas in Warstein schwer vorstellbar ist, sollte man sich doch die
theoretische Möglichkeit ganz bewußt offen lassen. Ein erster
Schritt in diese Richtung ist die beantragte Erfassung und Erhaltung der
letzten noch vorhandenen Spuren. Mit freundlichen
Grüßen Glück auf! Stefan Enste |
Dieser Antrag wurde
vom Rat - wie üblich - an den zuständigen Fachausschuß verwiesen.
Der Ausschuß für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaftsförderung
der Stadt Warstein tagte am Mittwoch, den 20. Juni 2001,
In den Sitzungsunterlagen begründete die Verwaltung, warum dieser Antrag
durch den Ausschuß abgelehnt werden solle:
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Beschlussvorschlag: Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaftsförderung beschließt: Der Antrag Nr. 84 des Herrn Stefan Enste auf Erfassung, Dokumentation und Sicherung der Bau- und Bodendenkmäler des historischen Erzbergbaus in Warstein und Umgebung wird abgelehnt. Begründung: Auf der Grundlage eines informativen Spaziergangs des [sic!] WAL-Fraktion mit dem Thema Spuren des historischen Bergbaus in Warstein beantragt Herr Stefan Enste die Erfassung und Dokumentation dieser noch vorhandenen Spuren, wie z. B. die Fundamentreste der Transportseilbahn von der Grube David zum Hillenberg und die ehemalige Verladerampe an der Grube David. Die so ermittelten Bau- und Bodendenkmäler sollen anschließend in die Denkmalliste eingetragen werden. Ferner beantragt er Maßnahmen zur Sicherung und Erhaltung dieser eingetragenen Denkmäler. Der Rat der Stadt Warstein hat diesen Antrag in seiner Sitzung am 19. 12. 2000 an den entsprechenden Fach- bzw. Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaftsförderung verwiesen. Die Inventarisation der Bodendenkmäler durch das Westfälische Amt für Bodendenkmalpflege in Olpe wurde bereits für das gesamte Stadtgebiet Warsteins durchgeführt. Im Zuge dessen wurden in den vergangenen Jahren in Warstein und in einigen Ortschaften der Stadt Warstein mehrere Bodendenkmäler auf Antrag des Amtes für Bodendenkmalpflege in die Denkmalliste eingetragen. Einige der Eintragungsverfahren konnten allerdings bis heute noch nicht abgeschlossen werden. Sie erweisen sich unter anderem wegen der mangelnden Bereitschaft der Eigentümer zur Eintragung als äußerst schwierig. Aus SIcht der Stadt Warstein sind die Bodendenkmäler daher abschließend inventarisiert worden, sodass bei weiteren Anlagen keine Denkmaleigenschaften zu erkennen sind. Der o.g. Antrag des Herrn Enste sollte daher abgelehnt werden. In Vertretung Hoffmann |
Der Antragsteller setzte
sich nach Erhalt der Sitzungsunterlagen umgehend telephonisch mit dem Amt für
Bodendenkmalpflege in Olpe in Verbindung. Dabei wurde mitgeteilt, daß
technische Denkmäler bei der Inventarisierung der Bodendenkmäler des
Kreises Soest gar nicht berücksichtigt worden sind. Die Begründung
der Stadtverwaltung Warstein ist schon aus diesem Punkt - vorsichtig gesagt
- hinfällig. Man könnte sich hier auch fragen: Weiß man in der
Verwaltung nicht, oder will man nicht wissen? Es handelt sich, auf der abstrakten
Ebene, also um eine Frage nach Kompetenz bzw. Anstand der Verwaltung...
Weiterhin ist zu beachten: Bodendenkmäler haben eine Eigenschaft, die sich
dem unvoreingenommenen Beobachter bereits beim langsamen Aussprechen des Wortes
Bodendenkmal erschließt: Sie sind - in vielen Fällen
- im Boden verborgen. Das bedeutet, daß Bodendenkmäler im Normalfall
unsichtbar sind. Ihre Entdeckung erfolgt entweder durch systematische Forschung
(Luftbildarchäologie, Prospektion,...) oder aber durch Zufall, meist bei
Baumaßnahmen. Die Stadt Warstein erstreckt sich über eine Fläche
von 157 Quadratkilometern, der größte Teil davon ist von Wald bedeckt.
Auch die gründlichste Inventarisierung würde niemals behaupten, alle
Bodendenkmäler erfassen zu können - es ist schlicht unmöglich.
Eine Inventarisierung kann daher gar nicht als ´abgeschlossen´ betrachtet
werden. Erst recht ist es falsch, daß bei weiteren Anlagen keine
Denkmaleigenschaften zu erkennen sind. Man stelle sich vor: Die Stadtverwaltung
in Warstein weiß von unentdeckten Bodendenkmälern schon heute, daß
sie keine Denkmaleigenschaften besitzen. Wieder drängen sich gewisse Fragen
auf: Weiß man es wirklich nicht besser, oder will man es nicht wissen
(´strategische Dummheit´)?
Jedenfalls hatte der Ausschuß diesen Antrag zu beraten. Und bei dieser
Beratung gab es einen unerwarteten Verlauf und ein unerwartetes Ergebnis:
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Niederschrift [...] Pkt. 13: Herr Hoffmann erläutert die Vorlage. Herr Wied vertritt
die Auffassung, dass man die Initiative junger Bürger, die einige
Tätigkeiten ehrenamtlich durchführen wollen, nicht ablehnen
sollte. Herr Wüllner führt aus, dass das Börde-Berufskolleg in Soest bei der Erfassung behilflich sein könnte. Sodann wird
beschlossen, zunächst einen Arbeits/Gesprächskreis zu bilden.
Hierzu sollen die im Antrag von Herrn Enste angesprochenen ehrenamtlichen
Helfer sowie weitere in Frage kommende Personen (Börde-Berufskolleg,
Umweltschutzbeauftragter, etc.) von der Unteren Denkmalbehörde eingeladen
werden. Danach sind weitere Schritte, ggf. durch Beschluss des Ausschusses,
festzulegen. |
Nun darf man durchaus gespannt sein, wie es in diesem Punkt weitergehen wird. Bis zur Bildung der hier genannten Arbeitsgruppe werden sicherlich viele Monate ins Land gehen . Aber immerhin: Ein guter Anfang ist gemacht!
Dabei geht es bei der Erhaltung der letzten Spuren der langen Montangeschichte der Stadt Warstein nicht allein um konservierenden Denkmalschutz, dem ja gern das Etikett verstaubt oder rückwärtsgewandt angehängt wird. Die Erhaltung von Spuren der Industriekultur hat in direkter Nähe zu einem noch immer vielbesuchten Ausflugsziel durchaus auch einen touristischen Aspekt. Es ist daran zu erinnern, was in der ganz aktuellen und maßgeblichen Tourismus-Strategie für NRW festgestellt worden ist:
Industriekultur stellt
in einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalens einen echten USP [= Unique selling
proposition = ´Alleinstellungsmerkmal´] dar.
Neue Ideen für den NRW-Tourismus.
Strategie 2000 - 2005
Damit ist - selbstverständlich - in erster Linie das Ruhrgebiet gemeint. Aber gerade aus diesem Grund ist es wichtig, auf die industrielle Vergangenheit gerade der heute allein als ´ländlich´ angesehenen Regionen zu verweisen. Es waren gerade diese Regionen - das Sieger- und Sauerland - die Wiege der Industie in Nordrhein-Westfalen - und das schon seit fast 3000 Jahren.
Stefan Enste
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