Bergbau
im Warsteiner Raum![]()
Die folgende Seite basiert
auf einem Exkursionsführer, der für einen ´informativen Sonntagsspaziergang´
der Warsteiner Liste im Sommer 2000 zusammengestellt wurde. Dieser Spaziergang
konnte nur einen Teil der ehemaligen Bergbaustandorte berücksichtigen,
da der Weg sonst zu lang geworden wäre. Aus diesem Grunde beschränken
sich die hier gegebenen genaueren Informationen auf diejenigen Abbaugebiete,
die auf der Exkursion besucht wurden.
Genauere Informationen und je eine Abbildung gibt es zu den Gruben David und
Hirschfeld, sowie kurze Anmerkungen zu den bescheidenen Spuren, die sich noch
heute in der Landschaft entdecken lassen.
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Bergbaustandorte
in der Umgebung Warsteins
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| 1. Hirschfeld - Eisenerz 2. Martinus - Eisenerz 3. Rom - Eisenerz 4. Kunigunde - Eisenerz 5. David/Christiansglück - Eisenerz 6. Siebenstern - Eisenerz 7. Georg/Hohofen - Eisenerz |
8. Suttbruch - Eisenerz 9. Forsthaus - Eisenerz 10. Frankenburg/Josephine - Eisenerz 11. ??? - Bleierz 12. Fortuna (?)/Morgengruß (?) - Bleierz 13. Auerhahn/Friedrich (?) - Bleierz 14. Hubert - Bleierz |
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Beschreibung der Warsteiner Eisenerzvorkommen von 1890:
"Ausser den vorbeschriebenen Eisenerzvorkommen verdienen noch die Eisenerzgruben des Suttrop-Warsteiner Feldes einer Erwähnung. Dieselben setzen theils auf der Grenze von Massenkalk und Oberdevon, theils in letzterem auf und liegen grösstentheils in dem der Gewerkschaft Sauerland gehörenden Distriktfelde Sauerland. Als die wichtigsten dieser im Distriktfelde Sauerland vorhandenen Eisenerzvorkommen sind diejenigen der Gruben Südbruch, David, Martinus und Hirschfeld anzuführen. Diese Eisenerzlager treten in einer Mulde des Massenkalkes auf, welche von oberdevonischem Schiefer überlagert wird; sie führen in wechselnder Mächtigkeit theils Roth- theils Brauneisensteine, selten Thoneisenstein. [...]"
Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe [...]. Bonn: 1890, S. 96 - 98
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Die
Grube David

Das Betriebsgelände der Eisenerzgrube David/Christiansglück
In den beiden Betriebsgebäuden
waren Werkstätten (links), sowie die Waschkaue und ein Aufenthaltsraum
für die Bergleute (rechts) untergebracht.
Quer über das Bild zieht sich - aufgeständert - der Schienenstrang
der Grubenbahn. Das taube Gestein wurde nach links abgefahren, das Erz nach
rechts zur Transportseilbahn, die das Erz zur ca. 1, 5 km entfernt liegenden
Bahnverladestation am Hillenberg transportierte. Zwischen den beiden Betriebsgebäuden
verläuft ein weiteres Gleis, das dazu diente, Grubenholz aus dem betriebseigenen
kleinen Sägewerk heranzuschaffen.
Der Förderturm erhebt sich über dem Förderschacht der Grube.
Vom Schacht gingen in 50 und 80 m Tiefe Stollen aus, die zu den Lagerstätten
des Erzes führten. In den letzten Betriebsjahren wurde nur aus der 80-Meter-Sohle
gefördert.
Zur Wasserhaltung waren zwei Pumpen installiert, mit einer Förderleistung
von 1500 und 2000 l/Min. Diese wurden abwechselnd betrieben. Ohne Wasserhaltung
stieg das Wasser im Schacht bis auf ca. 10 m unterhalb des Schachtrandes.
Beschreibung der Grube David von 1890:
"Die Grube David liegt 3 km westlich von Warstein und baut auf den Eisenerzlagern David, Eugen und Flora. Das Lager David, welches in St. 4 streicht und südwestlich mit 40° einfällt, hat eine Mächtigkeit von 50 m. Dasselbe ist im Tagebau und durch einen von Norden herangetriebenen Stollen, welcher eine Teufe von 35 m unter der Sohle des Tagebaues einbringt, aufgeschlossen und in ersterem auf eine streichende Länge von 50 m, dagegen im Stollen auf eine Länge von 300m verfolgt worden. Von der Stollensohle aus wurde ein 10 m tiefes Gesenk auf dem Lager in guter Erzführung niedergebracht. Das Lager Eugen ist durch ein 3m mächtiges Schiefermittel vom Davider Lager getrennt und streicht in St. 2 bei einem südwestlichen Einfallen von 60°, so dass sich beide Eisenerzlager wahrscheinlich in der Teufe vereinigen. Das Lager Eugen ist auf 70m Länge aufgeschlossen und besitzt eine mittlere Mächtigkeit von 5m. Das Lager Flora ist durch vier Tagesschächte mit streichenden Strecken bis zu einer Teufe von 53m und auf eine Länge von 280m aufgeschlossen. Dasselbe streicht parallel dem Davider Lager, von welchem es durch ein 30m mächtiges Thonschiefermittel getrennt ist, hat gleichfalls ein südwestliches Einfallen von 40° und eine durchschnittliche Mächtigkeit von 20 m. Die Beschaffenheit der Erze von diesen drei Lagern ist sehr wechselnd. Dieselben bestehen theils aus Brauneisenstein, theils aus Thoneisenstein, deren Eisengehalt zwischen 28 und 42 Procent schwankt."
Beschreibung
der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe [...]. Bonn: 1890, S. 96 - 98
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Die
Grube Hirschfeld

Plan der Grube Hirschfeld
Beschreibung der Grube Hirschfeld von 1890:
"Aehnlich wie die beschriebenen Eisenerzlagerstätten verhält sich das Rotheisenerzlager, welches auf der der Dortmunder Union gehörigen Grube Hirschfeld unmittelbar beim Orte Warstein abgebaut wird. Dasselbe tritt ebenfalls innerhalb einer Kalksteinmulde auf, streicht in der Richtung von Westen nach Osten und hat ein Einfallen von 45 bis 50° nach Süden. Die Mächtigkeit desselben beträgt an der Tagesoberfläche etwa 1m, nimmt jedoch rasch nach der Teufe so zu, dass sie auf der 8m Sohle schon 8m, auf der 14m Sohle gegen Westen 15m und gegen Osten 22m erreicht hat. Auch die streichende Erstreckung des Lagers vermehrt sich mit der Teufe, da sie auf der 8m Sohle nur 105m beträgt, auf der 14m Sohle aber bereits auf 152m erschlossen worden ist, ohne das Ende des Lagers erreicht zu haben. Auf der 8m Sohle wird das Lager gegen Westen von dem dem Oberdevon angehörenden schwarzen Thonschiefer, gegen Osten dagegen von dem Kalk begrenzt. Ueber der 8m Sohle ist das Lager vollständig abgebaut, ebenso der östlich vom Schacht gelegene Theil desselben über der 14m Sohle; gegenwärtig bewegt sich der Abbau, welcher mittelst strossenförmigen Querbaues und mit Bergeversatz geführt wird, nur in dem Westfelde über der 14m Sohle. Zur Zeit ist man mit dem Abteufen eines neuen Schachtes bis zu 50m Teufe und mit dem Ansetzen einer neuen Tiefbausohle beschäftigt. Das Lager der Grube Hirschfeld führt einen recht brauchbaren Rotheisenstein mit einem Eisengehalt von 45 Procent."
Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe [...]. Bonn: 1890, S. 96 - 98
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Spuren
des Bergbaus heute

Der historische Bergbau
hat im Warsteiner Raum seine Spuren hinterlassen. Diese Spuren sind jedoch relativ
unauffällig. Hier ein besonderes Beispiel: Diese vier Betonfundamente sind
die Reste der ehemaligen Eisenerz-Transportseilbahn, die von der Grube David
zur Bahnverladestation am Hillenberg führte. Diese Fundamente finden sich
´auf der Platte´, ähnliche Fundamente sind noch in der ´Wolfskammer´
erhalten.
Daneben sind es vor allem die verschiedenen Merkmale im Gelände, die an
den historischen Bergbau erinnern: Halden, Tagebauflächen, ganz vereinzelt
Reste von baulichen Anlagen. Untertage-Anlagen sind nicht zugänglich, da
alle Zugänge zugeschüttet oder dauerhaft verschlossen sind.
Alle ehemaligen Bergbau-Standorte in der Stadt Warstein sind außerdem
im Altlastenkataster der Stadt erfaßt. Mehrfach wurde beim Verfüllen
ehemaliger Grubenstandorte hochproblematisches Material verwendet. Vor allem
das Gelände der ehemaligen Grube David stellt eine gefährliche Altlast
dar. Der ehemalige Tagebau-Bereich, in dem später auch die übertägigen
baulichen Anlagen gebaut waren, wurde nach der Stillegung der Grube lange als
Müllkippe gebraucht. Hier fanden völlig unkontrollierte Verkippungen
von Hausmüll, gewerblichen Abfällen, Problemabfällen, Autowracks,...
statt. Diese Müllkippe ist eine Zeitbombe, da all diese Stoffe sehr grundwassernah
liegen.
Bedauerlich ist weiterhin, daß ein ganzer Industriezweig in Vergessenheit
gerät, der die Geschichte der Stadt Warstein über Jahrhunderte geprägt
hat - länger und intensiver als es das heutige ´Vorzeige-Produkt´
vermag. Aus diesem Grund hat der Gestalter dieser Internet-Seiten vor einigen
Wochen einen Antrag an den Rat der Stadt Warstein gestellt, die Spuren des historischen
Bergbaus in Warstein und Umgebung zu erfassen. Als weitere Maßnahmen sollten
Überlegungen erfolgen, wie denkmalschützerische Maßnahmen ergriffen
werden könnten, um die vorhandenen Bau- und Bodendenkmäler zu schützen.
Es bestand wenig Anlaß für Hoffnungen in diese Richtung; Phantasie-
und Kenntnislosigkeit würden auch hier jedem Fortschritt im Wege stehen.
Aber: Wie schön ist es, sich zu täuschen! Mehr dazu hier.
Stefan Enste, Januar 2001; aktualisiert Februar 2000
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